3 Techniken für guten Small Talk

Small Talk – lästiges Übel oder Türenöffner?

Es gibt wohl kein gesellschaftliches Ritual, das – obwohl es keiner zugeben will – so umstritten ist, wie der Small Talk. Während manche Menschen wie geschaffen dafür zu sein scheinen, in großen Gesellschaften die Aufmerksamkeit vieler Gäste mit kleinen Belanglosigkeiten, in denen viel gesprochen, jedoch wenig gesagt wird, auf sich zu ziehen, schaffen es andere trotz aller Bemühungen nicht, neue Kontakte zu schließen.

Häufig steckt dahinter schlicht und einfach Schüchternheit oder die Angst, sich vor Fremden zu blamieren. Doch mit der richtigen Gesprächsstrategie gelingt es auch Kontaktmuffeln, schnell ins Gespräch mit anderen Menschen zu kommen und möglicherweise langfristig Freundschaften oder auch wichtige Geschäftskontakte mit Fremden zu schließen.

Denn beim Small Talk, der sich vom englischen Begriff für „Schwätzchen“ ableitet, geht es nicht um Tiefgründiges, sondern um seichte Unterhaltungen ohne besonderen Tiefgang.

Wie wichtig man den Small Talk persönlich nehmen sollte, hängt natürlich stark vom Anlass und den persönlichen Interessen ab. Im beruflichen Umfeld ist es möglicherweise wichtig, sich schnell ein Netzwerk aufzubauen, während man bei der zwanglosen Gartenparty oft schon damit zufrieden ist, im Kreise seiner Freunde oder Bekannten zu feiern und keinen großen Wert auf neue Bekanntschaften legt.

Doch wie in fast allen Bereichen gilt auch hier: Übung macht den Meister, wer sich regelmäßig in Small Talk übt und einige Tipps beobachtet, kann auch auf hochkarätigem Parkett nicht verbal ausrutschen.

Übung macht den Meister

Wer sich unsicher ist, wie sich ein Small Talk am besten beginnen lässt, sollte möglichst jede Gelegenheit nutzen, um in passenden Situationen die nötige Routine zu besitzen. Gelegenheiten dazu gibt es im Alltag mehr als genug. Ein ideales Trainingspflaster ist beispielsweise die Bäckerei, in der man täglich seine Frühstücksbrötchen holt oder der Kiosk, an dem man sich mit Zigaretten oder Lesestoff versorgt.

Vor allem Personen, die sich in größeren Gesellschaften unsicher fühlen, sollten die Gelegenheit nutzen, während des Einkaufs ein paar belanglose Worte mit dem Verkaufspersonal zu wechseln. Wenn sich die Kunden nicht gerade im Laden drängen, sind die Verkäufer und Verkäuferinnen oft sogar froh und dankbar um etwas Ablenkung. Weil man das Personal im Laufe der Zeit zumindest vom Sehen her kennt, ist außerdem die Hemmschwelle, ein Gespräch zu beginnen, niedriger als bei wildfremden Personen.

Gleiches gilt im Fahrstuhl größerer Wohnanlagen. Gerade morgens oder nach Feierabend ist die Wahrscheinlichkeit, einziger Fahrgast im Aufzug zu sein, denkbar gering. Das Schweigen ist hier außerdem besonders peinlich, weil die Fahrgäste dicht beieinanderstehen und gezwungenermaßen die Grenze, die ein jeder als seine persönliche Intimsphäre betrachtet, überschritten wird.

Diese Situation bietet zudem den Vorteil, die Nachbarn besser kennenzulernen und sich an einem lauen Sommerabend vielleicht einmal auf ein Gläschen Wein auf dem Balkon oder im Garten zu treffen.

Die Übung im Alltag hilft darüber hinaus dabei, Peinlichkeiten in ernsten Situationen zu vermeiden. Ein Klassiker besteht etwa darin, dass im Ernstfall die Chemie zwischen den Gesprächspartnern absolut gar nicht passen will und man keinen Draht zueinander findet.

Das Schweigen, nachdem ein Thema mit sparsamen Worten ausgereizt ist, wirkt dann umso peinlicher, weil beide Gesprächspartner kein Anschlussthema finden. In diesem Fall sollte man sich besser mit einer unverbindlich-freundlichen Floskel verabschieden und dezent Anschluss an eine andere Gruppe suchen.

Mit etwas Routine aus dem Alltag lässt es sich zudem besser einschätzen, wann es angebracht ist, selbst einen Small Talk zu beginnen und wann es besser ist, anderen die Initiative zu überlassen. Denn dies ist oftmals gar nicht nötig. Im beruflichen Umfeld sind es oft die Chefs oder die direkten Vorgesetzten, welche die Initiative ergreifen, um das Eis zu brechen.

Wer hier vorprescht, greift unter Umständen damit die Autorität seines Vorgesetzten an und rückt sich selbst ebenfalls in ein schlechtes Licht. Auch bei privaten Anlässen sieht es sehr oft der Gastgeber als seine Aufgabe an, die Gäste miteinander bekannt zu machen und damit den Anlass für ein tiefergehendes Gespräch zu liefern.

Auch Ungeübte können mit den richtigen Techniken sehr schnell einen Small Talk beginnen und damit ein interessantes Gespräch einleiten. Welche Technik den größten Erfolg verspricht, ergibt sich meist ohnehin aus der Situation heraus.

Die besten Small-Talk-Techniken:

Technik 1: Fragen stellen

Der Fragesteller signalisiert dem Gegenüber ein Interesse an dessen Person. Diese Technik funktioniert bei nahezu jeder Gelegenheit, vom zufälligen Zusammentreffen im Aufzug oder am Briefkasten bis hin zum zwanglosen Zusammensein in der Firma. Zu beachten ist lediglich ein Punkt: Die Frage sollte möglichst offen formuliert sein, sodass sie nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. In den meisten Fällen ist das Gespräch nach der Antwort und der darauf folgenden Erwiderung bereits im Fluss.

Technik 2: Persönliche Komplimente machen

Ein nettes Wort bricht fast überall das Eis. Üblicherweise fühlt sich der Angesprochene geschmeichelt und leitet mit einer Erwiderung ein freundliches Gespräch ein. Das Kompliment sollte sich allerdings auf den konkreten Anlass beziehen. Während beim Grillabend oder beim Abendessen durchaus Komplimente zur Kochkunst des Gastgebers gemacht werden können, sind bei gesellschaftlichen Anlässen eher Komplimente zur Frisur oder Garderobe gefragt.

Technik 3: Das aktuelle Geschehen ansprechen

Aktuelle Themen wie beispielsweise die Diskussion um die Einführung der Pkw-Maut bieten sich als Einstieg in ein Gespräch an. Welches Thema gewählt wird, sollte allerdings vom Anlass abhängig gemacht werden. Während zum Beispiel bei einer Vernissage eher Themen aus dem Feuilleton gefragt sind, bietet sich im geschäftlichen Umfeld eher ein Thema wie die allgemeine wirtschaftliche Lage an.

Natürlich können diese drei Techniken auch beliebig miteinander kombiniert werden. Besonders beliebt ist etwa die Kombination von Kompliment und Frage. Wie die Techniken im konkreten Fall angewendet werden können, wird im Folgenden anhand von Beispielen ausgeführt.

Exklusive Tipps für erfolgreichen Small Talk

Wenn man diese „Übungen“ dann in die „Praxis“ umsetzt, kann und sollte man durchaus auch Anspruchsvolleres als das Wetter zum Thema nehmen. Die Kunst dabei ist es, einen Punkt zu finden, der zumindest 90 Prozent der Gesprächspartner betrifft, aber trotzdem so originell ist, dass dieser nicht in den ersten Minuten schon x-mal durchgekaut wurde.

In einem städtischen Umfeld etwa bietet es sich an, sein Gegenüber zu fragen, wie er denn zum Ort des Geschehens gekommen ist. Je nachdem, ob dieser dann mit dem öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Auto kam, lässt sich das Gespräch leicht fortführen, in dem man über Intervalle, Ausfälle und überfüllte Züge oder Busse spricht, oder eben über Treibstoffpreise und Parkplätze.

„Mussten Sie auch so lange suchen oder hatten Sie Glück?“

führt dann entweder dazu, dass der Gesprächspartner anfängt zu erzählen – oder einsilbig bleibt. In letzterem Fall wechselt man dann besser gleich die Gruppe.

Falls der Angesprochene jedoch auf die einleitende Frage einsteigt und um einen neuen Aspekt erweitert, kann sich ein gutes Gespräch zwischen Fremden entwickeln, bei dem sie sogar gemeinsame Interessen entdecken können.

Beispielsweise könnte der Gesprächspartner mit einem Youngtimer angereist sein, die sich bei deutschen Autofans immer größerer Beliebtheit erfreuen. Sofern sich beide Gesprächspartner für alte Autos interessieren, kann sich daraus nach und nach vielleicht sogar eine Freundschaft entwickeln.

Ein weiteres Thema ist die persönliche Fitness. Bei schlanken, sichtlich trainierten Personen ist es am einfachsten, über ein Kompliment einzusteigen:

„Sie sehen richtig sportlich – darf ich fragen, ob Sie ein bestimmtes Trainingsprogramm haben?“

Alternativ auch:

„Fällt es Ihnen auch so schwer, diesen leckeren (ein Gericht auswählen, das es auf der Veranstaltung gibt) zu widerstehen?“

Letzteres kann allerdings ein böser Fauxpas werden, wenn man selber sehr sportlich ist. Dann ist es besser, etwas zu seufzen, dass man nun wieder eine Extrastunde Radfahren oder seine Joggingrunde drehen muss. Bei Männern führt das dann schnell zu einem Gespräch über Sport, bei Frauen zu allgemeinen Diskussionen über Diäten und Schlankheitstipps, die man aber idealerweise auf Stars und Sternchen lenken sollte, etwa mit dem Satz:

„Ich wäre gern so schlank und sexy wie XYZ, aber die/der hat ja auch einen Personal Trainer!“

Das solidarisiert mit dem Gesprächspartner und schafft eine gute Basis für weitere Gespräche.

Wenn sich die Gesprächspartner sympathisch sind, entwickelt sich aus dem Small Talk vielleicht sogar eine Basis für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Denn gerade sportlich aktive und gesundheitsbewusste Menschen geben gerne Tipps zu Training und Küche, die für sie persönlich erfolgreich waren.

Wird das Gespräch von beiden Seiten am Laufen gehalten und ist beiderseitiges Interesse am Gegenüber vorhanden, ergibt sich fast zwangsläufig irgendwann der Vorschlag, einmal gemeinsam zu trainieren oder sich zum Essen im neuen vegetarischen Restaurant zu treffen. Personen, die neu in einer Stadt leben, können so relativ einfach gesellschaftlichen Anschluss und neue Freunde finden.

Last but not least ist es immer hilfreich, den Nachrichten in Zeitungen, Fernsehen, Radio oder Internet zu folgen. Einen Skandal um einen prominenten Schauspieler oder Musiker findet man in den Klatschspalten eigentlich immer, und wenn man diesen in Bezug zur Umgebung setzen kann, ist das ein guter Eisbrecher.

Allerdings sollte derjenige, der ein Gespräch mit dieser Thematik einleitet, auch etwas mehr Hintergrundwissen besitzen als in den Klatschspalten zu erfahren ist. Aus dem einleitenden „Skandal-Gespräch“ kann sich dann möglicherweise eine rege Debatte über Filme oder Musik entwickeln, die mit der Verabredung zu einem gemeinsamen Kino- oder Konzertbesuch endet.

„Habt ihr auch gerade so viel Stress?“

Diese Frage ist ein absoluter Klassiker, wenn sich Mitarbeiter aus verschiedene Abteilungen oder Geschäftsstellen bei Gelegenheiten wie der gemeinsamen Weihnachtsfeier treffen. Denn in den meisten Unternehmen sind die letzten Wochen des Jahres von einem hohen Arbeitsaufkommen und besonderer Hektik gekennzeichnet.

Mit dieser Frage an Kollegen liegen weder langjährige Mitarbeiter noch neue Mitarbeiter daneben. Altgediente Mitarbeiter, die sich wahrscheinlich ohnehin vom Sehen her kennen, schweifen damit ganz schnell zu Anekdoten aus dem beruflichen Alltag ab und erzeugen damit ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl.

Aber auch neue Mitarbeiter liegen mit dieser Frage nicht falsch, wenn sie ihre Kollegen derartig ansprechen. Das bietet ihnen die Gelegenheit, sich zunächst vorzustellen und intern Kontakte zu anderen Abteilungen zu knüpfen und signalisiert zugleich ein gewisses Interesse für die internen Abläufe, die im Alltag meist hintenanstehen müssen, weil das Tagesgeschäft zu kurz kommt.

Die richtige Vorgehensweise

Der Inhalt des Gesagten ist beim ersten persönlichen Kontakt allerdings eher nebensächlich. Sehr viel wichtiger für den ersten Eindruck sind Stimmlage, Mimik und Gestik. Wer seinem Gesprächspartner mit einem freundlichen Lächeln und offener Körperhaltung gegenübertritt, wird eher Interesse auf ein Gespräch wecken als jemand, der mit verschränkten Armen und missmutigem Gesichtsausdruck auf einen anderen Menschen zugeht. Mit Offenheit lässt sich zudem sehr schnell die Ausstrahlung des Gesprächspartners erspüren.

Ein wichtiges Kriterium dafür, ob Interesse am Gespräch besteht, sind etwa die Augen: Ist der Blick auf einen selbst gerichtet, besteht zumindest ein grundsätzliches Interesse. Flackert der Blick hingegen unruhig hin und her, ist das ein ziemlich sicheres Anzeichen dafür, dass das Gespräch unangenehm ist und derjenige eine Möglichkeit zur „Flucht“ sucht. In diesem Fall ist es besser, sich mit einer freundlichen und unverbindlichen Floskel zu verabschieden und einen neuen Partner zum Small Talk zu suchen.

Die No-Gos

Ganz gleich, in welchem Umfeld jemand Small Talk übt, es gibt einige Themen, die als absolutes Tabu gelten. Religion und Politik sind in jedem Fall absolute No-Gos während des gegenseitigen Beschnupperns.

Der Grund: Sowohl die politische Einstellung als auch religiöse Ansichten sind absolute Privatsache, die allenfalls in der Familie oder im engen Freundeskreis – keinesfalls aber mit Fremden – diskutiert werden. Zudem können mit flapsigen Bemerkungen aus diesem Themenbereich allzu leicht die Gefühle des Gesprächspartners verletzt werden, was natürlich nicht der Sinn eines Small Talks sein soll.

Außerdem besteht die Gefahr, dass sehr gegensätzliche Meinungen aufeinander prallen und somit aus einem unverbindlichen Gespräch zum Kennenlernen ein handfester Streit entstehen kann.

Auch die eigenen finanziellen Verhältnisse oder die sonstige persönliche Situation sollte ausgeklammert werden. Man kann diese Themen zwar anschneiden, wenn es sich aus dem Gespräch heraus ergibt, etwa wenn der Gegenüber fragt:

„Wie kommen Sie als Student eigentlich mit den hohen Lebenshaltungskosten in der Stadt aus?“

In dem Fall kann man ruhig darauf eingehen, allerdings ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Als Gesprächseinstieg wirken diese Themen jedoch als Gejammer und lassen einen selbst in einem schlechten Licht erscheinen. Man erreicht also genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte, nämlich dem anderen als sympathisch zu erscheinen.

Fazit

Einen Small Talk zu führen ist gar nicht so schwer. Im Grunde geht es nur darum, Routine darin zu entwickeln, die eigene Hemmschwelle zu überwinden. Denn grundsätzlich fällt es jedem schwer, offen und aufgeschlossen auf Fremde zuzugehen. Die genannten Tipps helfen dabei, in jeder beliebigen Situation den ersten Schritt zu wagen und ein Gespräch zu eröffnen.

Was im privaten Umfeld eher dabei hilft, dass bei einer Gesellschaft erst gar keine Langeweile aufkommen kann, ist im Berufsleben möglicherweise sogar ein entscheidender Faktor für die eigene Karriere. Der Grund: In vielen Unternehmen, vor allem in großen Konzernen, ist die Sozialkompetenz ein wichtiger Faktor, auf den die Personalchefs achten.

Schließlich kommt es nicht selten vor, dass für einzelne Projekte abteilungsübergreifende Teams gebildet werden, um die Aufgabe zu bewältigen. Weil dann gefordert ist, dass die Mitarbeiter schnell mit neuen Situationen und fremden Menschen zurechtkommen, wird diese Fähigkeit oft schon im Bewerbungsgespräch getestet.

Eine Möglichkeit besteht etwa darin, die Bewerber, welche die ersten Hürden schon genommen haben, zu einem Gruppengespräch einzuladen. Hier besteht ein Teil der Aufgabe häufig darin, in dieser Gruppe ein Gespräch zu einem beliebigen Thema zu führen, das von den Personalverantwortlichen beobachtet wird.

Small Talk kann in manchen Situationen also weit mehr darstellen, als den Austausch von Belanglosigkeiten. Und schließlich profitiert jeder persönlich davon, wenn er mit Fremden schnell ins Gespräch kommen kann. Denn wer diese Fähigkeit nicht besitzt, kann Probleme haben, Anschluss zu finden, wenn er aus beruflichen oder privaten Gründen in eine andere Stadt umziehen muss. Small Talk kann also dazu beitragen, die eigene Lebensqualität erheblich zu steigern.

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